Sozial, ökologisch und regional – das Integrationsunternehmen Bioservice Südbaden gGmbH hat seine Arbeit aufgenommen

 „Nirgends ist Inklusion eher möglich als in der Landwirtschaft“

Da die Aufbereitung (waschen, sortieren, verpacken, lagern) von Gemüse für Betriebe mit Feldgemüsebau eine große Herausforderung darstellt, haben sich fünf Biobetriebe der Region in einem Erzeugerverbund  zusammengeschlossen.  Einerseits liegt in der Aufbereitung ein erheblicher Teil der Wertschöpfung und sie ist Voraussetzung für die Vermarktung an Großhändler, andererseits sind effizient und arbeitssparend ausgelegte Anlagen teuer und benötigen zum wirtschaftlichen Betrieb einen Durchsatz der von Einzelbetrieben des Ökolandbaus in Südbaden kaum erreicht wird. Zudem fehlen in den meisten Betrieben entsprechende Kühllager in denen die Ware von der Ernte bis zum Verkauf zwischengelagert werden kann.

Erste Überlegungen für ein gemeinsames Projekt begannen vor 2012 und ab 2013 startete die konkrete Planungsphase mit vielen Ideen, Illusionen, Rückschlägen, wechselnden Partnern, Konsultationen, Abstimmung mit Behörden, Besuchen vorhandener Anlagen, mögliche Rechtsformen wurden auf ihre Eignung durchdekliniert,  Anträge gestellt… Und dann kam irgendwann die Frage auf, ob wir neben der ökologischen, der regionalen und wirtschaftlichen Dimension nicht auch noch das Soziale integrieren könnten.  Die konkrete Frage lautete, ob wir in dem neuen Unternehmen nicht auch Menschen mit Behinderung neue Perspektiven geben könnten. Das beantworteten die Betriebsleiter einstimmig mit einem: „Ja, wer- wenn nicht wir!“. Mit diesem Votum für ein Projekt der sozialen Landwirtschaft wurde die Idee einer Erzeugergemeinschaft nach EU-Recht erstmal verschoben und statt dessen die Rechtsform einer gGmbH, einer gemeinnützigen Gesellschaft ohne Gewinnabschöpfung,  gewählt. Stattdessen werden erwirtschaftete Gewinne für den gemeinnützigen Zweck – der Inklusion von Menschen mit Behinderung  – verwendet.

Weitere Entscheidungen waren mittlerweile gefallen und wurden konkretisiert. Standort  sollte in der Nähe von Naturkost Rinklin als Hauptkunden sein, mindestens ein Gesellschafter sollte Erfahrungen in der Arbeit mit Behinderten haben, neben dem Gemüseaufbereiten sollten auch weitere Dienstleistungen angeboten werden und aufgrund des hohen Bedarfs an Praktikums- und Qualifizierungsplätzen für behinderte Menschen in unserer Region, sollten dies ebenfalls berücksichtigt werden.

Gesellschafter wurden schließlich die Reha Südwest als Hauptgesellschafter, die Eduard-Spranger-Förderschule, der Erzeugerverbund Biogemüse Südbaden vertreten durch Landwirtschaftsmeister und BLHV-Ortsvorsitzenden Werner Danzeisen und Naturkost Rinklin. Bei der Gründung wurden Frau Weisserth (Reha Südwest, Karlsruhe) und Wolfgang Hees (Eichstetten) als Geschäftsführer bestellt.

Die Bioservice Südbaden stellt sich heute als Unternehmen im Aufbau dar, das nach und nach seine vier Arbeitsbereiche etabliert und  bis Ende 2018 folgende Dienstleistungen komplett anbietet:

  • Waschen von Gemüse. Der Schwerpunkt sind dabei vorerst die Karotten des Erzeugerverbundes, der nach und nach erweitert werden soll. Bei 2.000 kg Durchlauf je Stunde und einem Anfangsvolumen von 650 Tonnen bleiben noch Kapazitäten um weitere Aufträge und Lieferanten aufzunehmen.
  • Waschen von Kisten für Bio-Gemüse und Molkereiprodukte . Hierzu liegen derzeit Aufträge über 450.000 Kisten vor. Die Maschine kann alle Sorten von Kisten und Produktlinien hygienisch waschen und um ihre Jahreskapazität auszureizen, könnten wesentlich mehr Kisten gewaschen werden.
  • Aufbereitung und Verarbeitung von Gemüse, im Rahmen einer sogenannten Schnibbelküche. In dieser wird Biogemüse, das optisch (krumm, Bruch, Übergröße) nicht direkt vermarktet werden kann, für die Gastronomie und die Schulverpflegung aufbereitet, d.h.in Scheiben, Stäbchen oder Stücke geschnitten, gerieben, geschnetzelt und anschließend vakuumverpackt. Die Auslieferung erfolgt am Verarbeitungstag über Rinklin Naturkost
  • Hilfe in der Landwirtschaft. Die gGmbH bietet verschiedene Dienstleistungen für regionale Produzenten an, wie zum Beispiel: jäten, hacken, ernten oder Jungpflanzen  austopfen sowie Arbeiten im Weinbau und im Wald.

Aus diesen Komponenten entstand ein Antrag an Aktion Mensch und an den Komunalverband Jungend und Soziales (KVJS), der zusammen mit dem Integrationsfachdienst für Menschen mit Behinderung in unserer Region zuständig ist. Ein Fachgutachten bestätigte die voraussichtliche Wirtschaftlichkeit des Unternehmens. Beide Anträge wurden bewilligt und werden nun schrittweise, nach der baulichen Umnutzungsbewilligung eines Teils der ehemaligen Eichstetter Sägehalle, ausgeführt.

Nach Durchführung der Baumaßnahmen werden dann die Maschinen installiert und  die Mitarbeiterzahl erhöht. Bis Ende 2018 sollen 16 MitarbeiterInnen , darunter 8 mit Behinderung, hier ihren Arbeitsplatz gefunden haben.

Die Umsetzung des hochgesteckten Ansatz mit  einer sozialen, ökologischen und regional geprägten Landwirtschaft  eine gemeinwohlorientierte und nachhaltige Antwort auf die Bedürfnisse und Fragen unserer Zeit zu finden, muss die Bioservice Südbaden gGmbH noch liefern – aber auch hier könnte man fragen: „Wo, wenn nicht hier?“

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